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Die Kirche S. Pietro in Tignale

Die Kirche S. Pietro in Tignale

Ungefähr 200 m vom Hauptort Gardola der Kommune Tignale liegt die auf den ersten Blick eher unscheinbare Kirche San Pietro. Die Einzellage auf einem elliptischen Felsen hoch über dem Gardasee bietet einen herrlichen Blick über den nördlichen Teil des Sees bis hin zum Monte Baldo am gegenüberliegenden östlichen Ufer.

Der noch heute geläufige Beiname Burg weist darauf hin, dass diese Kirche einen weitaus älteren Ursprung hat als vermutet. In der jüngeren Geschichte wurde die Kirche durch die Zerstörung der Fassade entweiht und während des 1. Weltkriegs als Garage für LKW benutzt. In den 1950er Jahren wurde sie schließlich zum Theater umfunktioniert. Im Zuge dessen wurde der Altartisch in das Oratorium von Olzano verbracht, wo er heute noch steht. Schon hier hätte einem aufmerksamen Archäologen oder Historiker auffallen können, dass San Pietro eine weitaus längere Geschichte hinter sich hat: Der Altar besteht aus einem rosafarbenen Sandstein, der aus dem Steinbruch Denervos in Tignale stammen könnte. Ungewöhnlich daran ist, dass im Hochmittelalter in dieser Zone des Gardasees fast ausschließlich weißer Stein für den Bau von Kirchen und Burgen verbaut worden ist.

Bei Umbauarbeiten des Theaters wurde ein gemauerter Schacht entdeckt, der zu einem aus Kalkstein bestehenden Reliquienschrein führt. Die Anordnung der Kreuze und die Form des Sarges weisen auf einen Ursprung im 4. Jahrhundert hin. Eher halbherzige Ausgrabungen in den Jahren 1985 – 1986 brachten eine große im Halbkreis angeordnete Apsis ans Tageslicht. Systematisch untersucht wurde die Stätte erst ab dem Jahr 2002: Mindestens in acht Schichten sind die verschiedenen Phasen der Bebauung dieses Ortes bis weit in den antiken Ursprung nun nachvollziehbar, wobei die Untersuchungen noch lange nicht endgültig abgeschlossen sind.

​Neben dieser wechselvollen Geschichte des Ortes ist es unverzichtbar, den herrlichen Ausblick von dieser Stelle aus zu genießen. Die Umgebung bietet unerschöpfliche Möglichkeiten zu ausgiebigen Wanderungen. Aufregende Moutainbikestrecken sind hier ebenfalls gestaltet und gut ausgeschildert. Die Kommune Tignale bietet neben einem unverstellten Ausblick ein umfassendes Freizeitangebot für jeden Geschmack. Die Wallfahrtskirche Il Santuario di Montecastello mit einer ähnlich langen Geschichte ist einen Besuch wert. In der Ölmühle von Tignale kann man schließlich die sorgfältige Gewinnung des berühmten Olivenöls des Gardasees beobachten und sich erklären lassen.